Von Bobingen bis Forsthofen

(Bobingen/Forsthofen, Samstag, 02.04.2011)

Alleine von Augsburg zurück mit dem Zug nach Bobingen an die gestrige Abbruchstelle! Meine Gattin muss(!?!) ihren Füßen eine Erholungsphase gönnen. Oder vielleicht geht(!?!) sie lieber in Augsburg shoppen! Auf jeden Fall wird sie mich in Forsthofen mit dem Auto abholen. Der Rücktransport von dort wäre ansonsten ein Problem.

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Von Bobingen-Siedlung geht es über einen steilen Hügel nach Straßberg. Bereits am frühen Morgen ist es schon so warm, dass ich meine Jacke im Rucksack verstaue. Am Ortsausgang verpasse ich dann einen Abzweig und versuche querfeldein auf den Jakobsweg zurückzukehren. Prompt lande ich in einem Dickicht aus Hecken, die sich um die Füße angeln. In ein paar Wochen wird ein Durchdringen unmöglich sein. Jetzt verhaken sich nur ein paar Dornen in der Kleidung. Schmerzhaft schafft es die ein oder andere sogar bis an die Haut oder zieht Fäden aus meinem T-Shirt. Bis zum Abend werde ich immer wieder ein pickendes Übel aus der Kleidung entfernen müssen.

Über Rainhardtshofen gelange ich zur kleinen aber feinen Justinakapelle. Vor der Säkularisation sollen hier einmal Eremiten gehaust haben. Der von ihnen benutzte Brunnen ist teilweise freigelegt. Über eine Jahrhunderte alte Mooreiche wird ein Bach geleitet und lässt die Wasserversorgung von Fischteichen im späten Mittelalter erahnen.

Mehrere Schutzhütten laden zur Rast ein. Die Sauberkeit ist bemerkenswert. Hier macht sich irgendwer uneigennützig viel Arbeit. Ich genieße die Mittagspause, trage mich in das ausliegende Besucherbuch ein. Ich bedanke mich für diesen schönen Ort. Es liegen sogar Kissen aus. Zur Not kann man sogar übernachten.

Während ich in Klimmach auf die Wallfahrtskirche zugehe, erlebe ich die liebste Beschäftigung der männlichen schwäbischen Landbewohner an Samstagnachmittagen nämlich Traktorwaschen mit Dampfstrahlern. Vom alten Kramer bis zum 350 PS High-Tech-Fendt wird hier alles geputzt. Natürlich wie früher meist bei laufendem Motor! Manches Dieselroß trägt das Kennzeichen SMÜ. Wahrscheinlich war Schwabmünchen einmal ein eigener Landkreis.

Hinter dem nächsten Hügel kommt Birkach, ursprünglich der Zielort des Abschnitts von Augsburg aus. Übernachtungsmöglichkeiten scheiden damit auf jeden Fall als Merkmal für Etappenorte aus.

Dann tun die Wegplaner wieder etwas für die körperliche Fitness. Ich gehe nicht direkt nach Konradshofen sondern über Hipoldsberg. Ich verbleibe dann auch nicht im Tal, sondern gehe in der Mittagshitze hoch nach Konradshofen. Ich spüre die ersten Anzeichen eines Sonnenbrandes auf der Stirn und im Nackenbereich. Auf dem Berg meint eine Frau: „Du musst einen Hut tragen!“ Ich sage nur: „Vor einer Woche habe ich noch gefroren!“ „Ja mei!“

Der Dorforganist belohnt mich in der kühlen Kirche gewollt oder ungewollt mit einem Exklusivkonzert. Ein erholsamer Aufenthalt!

Dann geht es wieder ins Tal. Der weibliche Teil der Ortsbevölkerung kehrt die Straßen vor ihren Höfen.

Und schon wieder erfolgt ein Anstieg zu den sogenannten Berghöfen. Ein Roter Milan kreist über mir. Nachdem mich schon einmal ein Bussard aus ähnlicher Höhe angegriffen hat, gilt ihm mein ganzes Augenmerk. Schön ist es sowieso, ihn beim Kreisen zuzuschauen. Er ist so nahe, dass ich mit meiner Kamera nach ihm werfen könnte. Bis ich jedoch tatsächlich soweit bin, selbst mit dieser eine vernünftige Aufnahme zu machen, dreht er ab.

In der Kapelle am oberen Teil des Anstiegs wird endlich einmal auch meinem vernachlässigten Namenvetter Josef gedacht. Im besten Mannesalter steht er neben der Maria da mit einer Stichsäge, gut aussehend und überhaupt nicht greis. Heiliger Geist aufgemerkt!

Den höchsten Punkt im Wald habe ich dann auch noch geschafft. Nach Forsthofen war es dann nur noch ein Katzensprung. Dort wurde ich herzlich empfangen und zur nächsten Eisdiele gebracht (Eisdiele ist in Schwabmünchen, nicht in Forsthofen).