Von Allaman bis Nyon

(Allaman/Nyon, Donnerfstag, 06.06.2013 )

Richtung Nyon setzt sich der Weg nach Allaman zunächst wieder am See fort.

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Später führt er in das Weindorf Peroy hoch.

Peroy

Nocheinmal geht es an das Wasser zurück am Chateau von Rolle vorbei.

Für heute heißt es dann Abschied nehmen vom Wasser. Bis zum Zielpunkt Bahnhof Nyon geht es nur noch seeabgewandt über die Dörfer in den Weinbergen und Obstplantagen. Sehr schön! Allein die lange Durchquerung des Glander Industriegebiets nervt nicht nur wegen der heißen Sonne.

Von Lausanne bis Allaman

(Lausanne/Allaman, Mittwoch, 05.06.2013)

Nach einer guten Nacht fahre ich mit dem Bus von meinem Budget-Hotel in das Lausanner Zentrum. So kriege ich wenigstens etwas von der Stadt mit. Einen größeren Rundgang erspare ich mir. Ich werde nach Allaman sowieso genug Kilometer zusammenkriegen.

Auf dem Weg zum See passiere ich die Paläste von aus der Werbung bekannten Weltunternehmen wie Philip Moris. Auffallend sind die Securitykräfte und die auf der Straße rauchenden Mitarbeiter/innen in Bussinesskleidung.

Der Weg führt fast nur direkt am Seeufer entlang. Und Ufer ist hier wörtlich zu verstehen: zwischen den mondänen Privatgrundstücken und dem Wasser des Sees ist fast überall ein für die Öffentlichkeit zugänglicher enger Pfad.

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Die Einblicke in die Rückseite der Villen sind mindestens ebenso beeindruckend wie die Ausblicke auf das Mont-Blanc-Massive.

Mont Blanc

Oder auf Morges!

Genfer See vor Lausanne

Heute ist der erste richtige Sommertag. Und die Stimmung entlang dem Genfer See ist entsprechend!

Von Moudon nach Lausanne

(Moudon/Lausanne, Dienstag, 04.06.2013)

Vor dem Abmarsch nach Lausanne besichtige ich kurz Moudon.

Ein Markt findet statt! Die Originalität der angebotenen Ware hält sich in Grenzen und kann mich nicht abhalten, sofort das Innere der Kirche in Angriff zu nehmen.

Moudon,Kirche

Da bin ich zuerst einmal geschockt! Absolute Finsternis! Auf jeden Fall der dunkelste Kirchenraum, in dem ich je gewesen bin! Es dauert geraume Zeit, bis sich meine Augen an die besonderen durch die bemalten Glasfenster hervorgerufenen Lichtverhältnisse gewöhnt haben.

Mich wundert, dass ich nach einer kurzen Anpassungsphase tatsächlich etwas klar erkennen kann.

Ohne dass ein Licht aufgeht, bin ich fasziniert von einem Beichtstuhl, der mit einer Aneinanderreihung von vertikalen Balken sehr einer Orgel gleicht. Wahrscheinlich soll sich hinter sie der reuige Sünder zu einem Bußdialog zurückziehen. Trotzdem stehen zwei Schemel davor!

Das Besondere an Moudon ist die Oberstadt. Im Laufe der Jahrtausende hat sich die Broye tief eingegraben. Die Häuser sind eng bis an die entstandene Schluchtwand gebaut und ihre Mauern ergänzen sie bündig.

Moudon

Der Weg nach Lausanne folgt zunächst weiter dem Tal der Broye, steigt dann auf einen Bergrücken mit weitem Blick auf den Mont Blanc und fällt dann steil zum Genfer See ab. Es überrascht, dass in dieser dicht besiedelten Gegend der größte Teil über Wald- und Wiesenwege im besten Sinne führt.

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Die Truthähne eines Bauernhofes haben einen Narren an mir gefressen und begleiten mich freudigst. Da der dazugehörige freilaufende Hund sich weigert, mich auf dem offiziellen Weg passieren zu lassen, muss ich umkehren und einen Umweg in Kauf nehmen. Natürlich begleitet von dem Federvieh!

Moudon,Truthähne

Der letzte Teil in die Lausanner City wird freilich gelegentlich zu einer Strapaze für die Nerven.

Lausanne

Ich bin geschafft. Doch es ist geschafft! Ich bin in Lausanne!

Von Romont nach Moudon

(Romont/Moudon, Montag, 03.06.2013 )

Da der große Regen nun vorbei ist und die Vorhersage für die nächsten Tage gutes Wetter verheißt, bringt mich meine liebe Frau in einer sechsstündigen Autofahrt aus dem Herzen Bayerns nach Romont. Um Punkt 15:00 Uhr mache ich von der Stadt auf dem Berg der alten Stadtmauer entlang mit weiten Blick in das Tal der Glane auf den Weg nach Moudon. In ein paar Tagen will ich die Durchquerung der Schweiz in Genf abgeschlossen haben.

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Die Landschaft hier genutzt für Ackerbau und Viehzucht ähnelt sehr der meiner oberpfälzerischen Heimat. Mag sein, dass deswegen so richtig euphorische Aufbruchstimmung noch nicht aufkommen will.

Erst als mich eine auf den steilen Feldwegen aus welchen Grund auch immer umherirrende Autofahrerin auf französisch um Auskunft bittet, realisiere ich, dass sich nun mein Aufenthalt ein paar hundert Kilometer weiter südwestlich befindet. Die einzige Auskunft, die ich geben kann, ist freilich nur: „Ich spreche nicht französisch!“ Das kann ja noch heiter werden!

Der Ärger darüber beschäftigt mich bis Moudon. Der Anblick der kanalisierten Brogne mit dem intensiven Verkehrslärm vom gegenüberliegenden Ufer ist nicht dazu geeignet, ihn zu unterbinden. Warum habe ich nur Latein gewählt?

Moudon verdient einen längeren Rundgang, den ich morgen mit frischen Kräften nachholen will.

Von Fribourg bis Romont

(Fribourg/Romont, Samstag, 29.09.2012)

Es ist Samstag, und die Finis Terrae Abschlussetappe für das Jahr 2012 von Fribourg nach Romont steht an.

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Beim Verlassen von Freiburg ist das Wetter alles andere als erbauend. Es sieht so aus, als stünde wieder eine Regenschirmetappe an. Und tatsächlich ist er von 29 Kilometern 28 aufgespannt. Der Regenschirm hat sich zu einem meiner wichtigsten Ausrüstungsteile gemausert.

Tief hängende Wolken verstecken die Landschaft, verhindern den weiten Blick und konzentrieren den Focus auf Nahes wie zum Beispiel einen Zwanzig-Zentner-Bullen, der plötzlich in Nasenring-fass-Reichweite nur durch einen dünnen Elektrodraht getrennt auf einer Weide als erweiterte Konsequenz der artgerechten Kuhhaltung gegenübersteht.

„Solang de net die Aug’n verdrah’n, und Du net as Weisse siachst, brauchst de net z’fiarchtn“, unterrichtete mich mein seliger Vater und immerhin Metzgermeister und Viehhändler während des täglichen Viehtreiber-On-The-Job-Training, das meistens den Vorrang vor dem Kindergartenbesuch erhielt. Der Stier verdreht seine rehbraunen Augen tatsächlich nicht und lässt nur ein gelangweiltes „Muh“ verlauten, um dann seine volle Aufmerksamkeit wieder auf seine momentane Lieblingskuh zu richten, die in einem Wechsel zwischen Lust und Unlust badet und unschlüssig ist, ob sie den Meister gewähren lassen oder lieber Grass fressen soll.

Damals als Fünfjähriger hätte ich wahrscheinlich mit dem Stier gesprochen und ihm die Stirn gekrault. Heute mache ich mich doch lieber langsam aus dem Staub. Denn ich weiß auch: nicht weit vom väterlichen Grab ruht mein Namensvetter und Urgroßonkel, der den zu nahen Kontakt mit einem solchen Wesen noch jung an Jahren mit dem Leben bezahlte. Hoffentlich muss ich nicht einmal lesen, ein Stier hat einen nur auf Gott vertrauenden Jakobspilger auf die Hörner genommen!

Der Bulle ist mir trotzdem unwahrscheinlich sympathisch. Für den neutralen, universalen, außerirdischen Beobachter ist die Frage „Wer ist beneidenwerter: ein Mensch, der im Regen nach Romont läuft, oder ein Bulle, der nur seine Damen beglückt und dazwischen Gras frisst?“ sicherlich nicht einfach.

Zweifellos eine Regenfrage!

Der Regen hört dann genau vor dem Aufstieg nach Romont auf. Die Begeisterung nach fast 30 Kilometern nochmal auf einen Berg zu steigen, hält sich in Grenzen. Doch die Stadt auf dem Berg kann den müden Krieger am Schluß doch noch begeistern.

Als beim Abtauchen in der Anderswelt der behaglich trockenen Kirche auch noch die Orgel ein kleines Konzert anstimmt, ziehe ich meine Existenz der eines wahrscheinlich momentan wiederkäuenden, mit der Regenerierung seiner Resourcen auf einer naßen Wiese beschäftigenden, ewig zum Sprung bereitstehen müssenden Bullen vor.

Auf Wiedersehen dann bis zum nächsten Jahr in Romont für den Aufbruch zum Genfer See!